berufungsgericht hebt skandalurteil teilweise auf – neues verfahren in erster instanz
mit dem heutigen spruch hat der richterInnensenat des berufungsgericht das skandalurteil von richterin karoline edtstadler in wesentlichen teilen aufgehoben bzw. korrigiert:
für den erstangeklagten wurde das verfahren hinsichtlich des vorwurfes der körperverletzung an die erste instanz zurückverwiesen und das urteil ( 9 monate – davon 1 monat unbedingt) aufgehoben. dadurch wird das verfahren wieder in die erste instanz zurückverwiesen.
für den zweitangeklagten reduzierte das berufungsgericht das strafausmass für den widerstand gegen die staatsgewalt von 6 monaten auf 3 monaten auf bewährung (2 jahre bedingt).
somit hat sich zwar das berufungsgericht nicht zu einem mutigen schlussstrich unter ein politverfahren entschlossen, hat aber immerhin das skandalurteil von richterin edtstadler in wesentlichen teilen aufgehoben. dass dieses urteil nicht halten würde, war eigentlich zu erwarten, zumal die staatsanwaltschaft bereits gegen dieses urteil einspruch zugunsten des erstangeklagten erhoben und dies öffentlich mit der politisch beeinflussten richterin begründet hatte.
für den erstangeklagten bedeutet dies nun, wie der vorsitzende richter sagte, “ein teilweise zurück an den start”.
somit hat der einfache protest gegen die antiasylpolitik fekters noch für längere zeit juridische folgen in form von verhandlungen und noch ausstehenden urteilen.
der zweitangeklagte muss nun einen schuldspruch wegen widerstand gegen die staatsgewalt hinnehmen, obwohl er diesen nicht geleistet hat und ihm daher auch nicht schlüssig nachgewiesen werden konnte. hier schenkte auch das berufungsgericht den polizeilich koordinierten aussagen der polizeibeamten uneingeschränkten glauben.
entscheidende berufungsverhandlung findet am 16.11. statt
die berufungsverhandlung nach dem skandalurteil vom juni wurde nun für di, 16.11.2010 um 9:00 uhr im justizgebäude in salzburg, saal 158 angesetzt.
weitere infos folgen…
nächtliche razzia ohne rechtsgrundlage hat parlamentarisches nachspiel
gestern hat die abgeordnete alev korun (grüne) gemeinsam mit 4 weiteren abgeordneten in einer parlamentarischen anfrage an die bundesministerin fekter die nächtliche razzia vom 10.6. in unserem privathaus zum anlass genommen, um fekter eine reihe von konkreten fragen zu stellen.
mehr dazu im persönlichen blog von bernhard jenny
hier gibt es die anfrage in vollem wortlaut ZUM DOWNLOAD (PDF)
reiner zufall? nächtliche polizeirazzia ohne rechtstitel
während die untenstehende nachricht gerade verbreitet wurde, konnten wir uns noch gar nicht um die verbreitung der guten nachricht kümmern, da unser privathaus – also das haus jener familie aus der die beiden angeklagten im anti-fekter-demo-prozess kommen – ziel einer nächtlichen polizeirazzia ohne rechtstitel war!
ein einschüchterungsversuch wegen engagement für asylwerberInnen?
Volle Berufung gegen extrem hartes Politurteil
Protest gegen unmenschliche Asylpolitk wird kriminalisiert
Jene beiden Angeklagten, die letzten Freitag von einer Einzelrichterin für ihre Protestaktion im Jänner vor dem Salzburger WIFI zu 9 Monaten teilbedingt (1 Monat unbedingt) bzw. 6 Monaten bedingt verurteilt wurden, werden morgen über ihre Anwältin volle Berufung anmelden.
Mit diesem Urteil soll der politisch unerwünschte Protest gegen eine unmenschliche, zynische und für viele tödliche Asylpolitik bzw. Abschiebepolitik kriminalisiert und mundtot gemacht werden.
Die beiden Verurteilten und mit ihnen die Initiative „Widerstand im Fekterland“ werden jedoch nicht aufgeben, sich für eine Welt zu engagieren, in der nicht Familien, die bereits jahrelang integriert leben, in der Nacht aus dem Bett geholt werden, weil sie gewaltsam abgeschoben werden sollen, für eine Welt, in der Menschen nicht mehr sehenden Auges in Todesgefahr verbracht werden, für eine Welt, in der Menschen, die Zuflucht aus grösster Not bei uns suchen, die entsprechende Menschlichkeit erfahren.
Bernhard Jenny, der Vater der beiden Angeklagten:
„Es gibt in unserem Land einen schleichenden Putsch von rechts oben, quer durch verschiedene Parteien und Institutionen. Kritik von Amnesty International und Menschenrechtsorganisationen, von Diakonie und Caritas prallen an Fekter und Co. ab, wie sonst nur in diktatorischen Systemen. Dem dürfen wir nicht tatenlos zusehen, denn sonst manchen wir uns mitschuldig.
Für Waffenlobbyisten, Anlagebetrüger und nicht zufällige Krisengewinnler gilt in unserem Land immer und überall die Unschuldsvermutung. Für AsylwerberInnen, MigrantInnen und deren Familien und für Protestierende gilt eine Kriminalitätsvermutung.
Wir setzen dem schleichenden Putsch von rechts oben unseren Protest und Aktivitäten entgegen. Die Zahl jener, die es nicht mehr dulden wollen, dass bei jedem Satz über AsylwerberInnen sofort auf Sozialbetrug und Kriminalität verwiesen wird und hilflose Menschen verächtlich gemacht werden, steigt rasch.“
Somit kommt nun zur skandalösen und mitunter tödlichen Abschiebepolitik ein handfester Justizskandal. Nicht nur, dass die beiden Angeklagten die ihnen zur Last gelegten Taten nicht begangen haben, sollen sie nun auch generalpräventiv für ihren aktiven politischen Protest und ihre Gesinnung bestraft werden.
Auch wenn das Urteil schwer schockiert, so dürfen wir uns nicht ablenken lassen: Jeder Tag, an dem die Menschenverachtung und der Zynismus von Fekter und Co. den Umgang mit Menschen in existenzieller Not in unserem Land bestimmen, ist ein Tag zuviel.
lokalaugenschein am 27.5. wäre absurd!
beim vergangenen verhandlungstermin gegen die beiden asylpolitik-kritiker hat die richterin ein von ihr in auftrag gegebenes gutachten verlesen, in welchem michael staudinger von der wetterdienststelle salzburg akribisch genau jenen zeitpunkt berechnet, an welchem angeblich die gleichen lichtbedingungen herrschen wie zum zeitpunkt der festnahme der beiden aktivisten.
dabei wurde errechnet, dass am 14.1. – dem tag der kundgebung gegen ministerin fekter – um 18:30 bereits die “nautische dämmerung” vorbei war. um sich im mai zu einem vergleichbaren zeitpunkt zu treffen, müsse man zb. den 27.mai um 23:30 als zeitpunkt ins auge fassen.
verschiedene einschränkungen des gutachters hinsichtlich bewölkung, laub an den bäumen und schnee, der im mai vermutlich nicht liegen wird, wurden noch verlesen.
wie nun aber unsere recherchen ergeben haben, wurde offensichtlich etwas wesentliches übersehen:
in der nacht vom 27.5. auf den 28.5. ist VOLLMOND, während am 14.1. der NEUMOND unmittelbar bevorstand. somit wäre ein lokalaugenschein zur beurteilung der lichtverhältnisse zu dem vom gericht geplanten termin absurd.
abschiebepolitik: its time to act – now!
der gestrige donnerstag ist wieder ein kleiner meilenstein im dringend notwendigen widerstand gegen die unmenschliche asylpolitik in unserem land. in einer beispiellosen zugriffsaktion während des trainings des “fc sans papiers” wurden wieder einmal in völlig unakzeptabler weise menschen brutal verhaftet, um sie unverzüglich – noch am selben tag – in ein abschubflugzeug zu setzen.
eine detailierte übersicht findet ihr auf
FMO – freies medium ottensheim
dass dieser plan (zumindest vorerst) vereitelt wurde, ist der raschen und mutigen aktion von ca. 250 demonstrantInnen zu danken, die ein schubhaft-fahrzeug in wien hernals aufgehalten haben. die aktion war zwar nur kurzfristig erfolgreich, es wurde aber dann eine spontane demo daraus, an der sich später insgesamt ca. 500 menschen beteiligten.
das ist ein meilenstein: auch wenn die schubhäftlinge weiterhin inhaftiert sind, auch wenn über 40 aktivistInnen verhaftet wurden, das zeichen ist klar: wir akzeptieren es nicht, dass menschen, die bereits seit jahren friedlich in unserem land leben, einem permanenten psychoterror ausgesetzt werden.
in röthis kamen die abschiebepolizistinnen bei nacht, in wien auf dem fussballfeld. niemand der von abschiebung bedrohten menschen kann auch nur eine minute angstfrei sein: ob im schlaf, bei tag, bei nacht, bei freundInnen oder in der öffentlichkeit – immer geht die angst mit. das ist psychoterror.
in einem der tweets, über die sich die aktistInnen informieren konnten, war zu lesen “its time to act – now!”. tatsächlich ist es höchste zeit, dass wir auf die strasse gehen, um gegen diese unmenschliche asylpolitik und abschiebepraktiken vorzugehen. lange genug mussten wir zusehen, wie die stimmung in unserem land immer ausländerfeindlicher und rassistischer wird.
dank der zahlreichen aktivistInnen gestern in wien ist einmal mehr klar geworden, wie antifaschistische praxis heute funktioniert: spontan, rasch, vernetzt und flexibel.
wir müssen der kalten brutalität einer asylpolitik, die psychoterror und todesgefahren für die abgeschobenen in den zielländern einfach in kauf nimmt, antrepressive buntheit und vielfalt entgegensetzen: das ist den aktistInnen von gestern gelungen.
wie üblich werden wieder einige mit verfahren wegen widerstand gegen die staatsgewalt und weiteren “vergehen” verfahren angehängt bekommen. wie mit dem protest gegen die asylpolitk umgegangen wird, kennen wir u.a. auch von den vorgängen in salzburg.
wo recht zu unrecht wird, wird widerstand zur pflicht.
kein mensch ist illegal.
mit solidarischen grüssen nach wien!
immer mehr WIDERSTAND im FEKTERLAND!
Widerstand im Fekterland
Beim Besuch der Innenministerin Maria Fekter in Salzburg, Mitte Januar 2010, im Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI), kam es zu Protestaktionen gegen die restriktive und rassistische Migrations- und Asylpolitik des Innenministeriums. Rund 25 Menschen besuchten die Veranstaltung, um dort ihren Zorn lautstark und entschlossen zu artikulieren und öffentlich zu protestieren. Am Ende des Abends befanden sich zwei der Beteiligten in Haft. Am 22. März müssen sie sich wegen angeblichen Widerstands gegen die Staatsgewalt und den konstruierten Vorwürfen der schweren Körperverletzung bzw. des tätlichen Angriffs vor Gericht verantworten!
„Weilst a Oaschloch bist!
Noch bevor die Veranstaltung losgegangen war, entrollten die AktivistInnen ein Transparent: “Fekter – Ministerin für Lager und Deportation” und unter lauten „Buh“ – Rufen und schrillem Pfeifen musste die Ministerin vor den Augen ihrer geladenen Gäste einziehen. Nach ca. 20 Minuten trafen die ersten PolizeibeamtInnen ein, die offenbar von der Situation völlig überrascht und überfordert waren, weshalb sie auch ein Großaufgebot an Einsatzkräften als Verstärkung anforderten. Nachdem die Veranstaltung der Wirtschaftskammer durch den lautstarken Protests zwar verspätet, aber doch begann, verließen die AktivistInnen das Gebäude. Zwei gezündete „Schweizerkracher“ am Vorplatz des WIFI dienten der Polizei als Grund, die Situation eskalieren zu lassen. Zwei Personen wurden willkürlich und unter massiver Anwendung von Gewalt verhaftet und in Handschellen abgeführt. Auf die wiederholte Frage eines Festgenommenen nach dem „Warum?“, antwortete einer der Beamten lapidar – „Weilst a Oaschloch bist.“ Auf Nachfrage anderer AktivistInnen wurde von mehreren Polizeibeamten die Auskunft gegeben, dass die festgenommen Personen „lediglich zur Aufnahme der Daten und eines Protokolls“ mitgenommen würden. Nachdem die restlichen Beteiligten von der Polizei abgedrängt wurden, löste sich die Kundgebung schließlich auf. Die Polizei reagierte mit massiven Personenkontrollen, zahlreichen AktivistInnen drohen jetzt Verwaltungsstrafen.
Vier Stunden später wurden die beiden Festgenommenen aber mit den Vorwürfen der schweren Körperverletzung, des Widerstands gegen die Staatsgewalt und des tätlichen Angriffs auf einen Beamten konfrontiert und in eine Haftanstalt – vorerst Einzelhaft – überführt. Die beiden wurden noch 2 weitere Tage festgehalten, da die Staatsanwaltschaft einen Antrag auf Untersuchungshaft stellte. Erst nach 46 Stunden Haft und Vorführung vor den U-Haft Richter wurden die beiden freigelassen. Am 22. März startet der Prozess aufgrund der von Polizei und Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfe.
Widerstand gegen unmenschliche Asylpolitik darf nicht kriminalisiert werden
Vorfälle, wie der hier geschilderte, sind Beispiele dafür, wie versucht wird, Widerstand gegen die restriktive und rassistische österreichische Migrations- und Asylpolitik und gegen die unmenschlichen Folgen zu kriminalisieren. An den Außengrenzen der „Festung Europa“ wird diese Politik rücksichtslos durch den Einsatz von Militär und wissentlicher Inkaufnahme von Todesopfern fortgeführt. Asylpolitik ist keine Frage des politischen Stils, sondern wird für viele zur Frage über Leben oder Tod. Angesichts der Tatsache, dass MigrantInnen vorsätzlich schikaniert, misshandelt und gefoltert werden, ist Widerstand und Protest unverzichtbar. Exekutive und Justiz üben im Auftrag der Politk steigenden Druck auf zahlreiche politische Gruppen, Organisationen, aber auch Einzelpersonen aus, die ihren Widerstand gegen unmenschliche Politik leisten und verfolgt diese durch willkürliche Interpretation der Gesetze (wie §278a).
Ein autoritärer Staat kann jeden Protest im Keim ersticken, mit Hilfe von Gesetzen, die heute verabschiedet werden, um uns angeblich zu schützen. Das dürfen wir nicht zulassen.
Für die sofortige Einstellung aller Verfahren und Verwaltungsstrafen!
Bleiberecht für alle!
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